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Aussenblick: Kunstraum Satellit

Kommentar an die Scheibe geklebt

Raffaella Chiara, Myriam Loepfe, Paul Le Grand, Johannes Saurer, Katrin Sperry und Dominik Stauch sind die Gastgeber*innen des Kunstraums Satellit. In einem ehemaligen Kiosk zeigen wir seit 2019 Kunst. Immer offen, häufig wechselnd.

Mit dem Kunstverein Satellit bringen wir frischen Wind in das Thuner Kunst- und Kulturleben. Über den Verein, gegründet zur Zwischennutzung des ehemaligen Kiosks am Guisanplatz im September 2019, werden ungefähr acht jährliche Veranstaltungen kuratiert und betreut. Satellit hat keine Öffnungszeiten. Er ist ein Schauraum und durch das grosse Schaufenster haben die Betrachtenden jederzeit Einblick. Deshalb konnten wir die geplanten Ausstellungen auch während des Lockdowns durchführen und unser Ausstellungskonzept hat bis jetzt gut funktioniert. Nur an den Vernissagen öffnen wir die Glasflügel, dann können die Besucher*innen eintreten – sofern die Ausstellung dies erlaubt.

Zum Kunstmuseum Thun pflegt der Kunstverein Satellit eine freundschaftliche Beziehung: Wir besuchen gegenseitig unsere Vernissagen und Ausstellungen, das Interesse an der Auseinandersetzung und Vermittlung von Kunst verbindet uns. Die ideellen Grundlagen, die personellen, räumlichen und finanziellen Ressourcen sind natürlich in keiner Weise vergleichbar. Beide Institutionen sind wichtige Positionen des Thuner Kulturlebens. So sind die Eröffnungen wichtiger Bestandteil der Ausstellungen und ein Treffpunkt der Thuner Kunstszene. Interessierten bietet sich dann die Möglichkeit, in Kontakt mit den ausstellenden Kunstschaffenden zu kommen, und es besteht Gelegenheit für Austausch, Begegnungen und Gespräche, oder auch einfach, um in Gesellschaft ein Glas Wein zu trinken. Da bei uns die Vernissagen im öffentlichen Raum, am belebten Rex-Kreisel, stattfinden, kommen auch Menschen vorbei, die keine typischen Museumsbesucher*innen sind. Ein möglichst vielfältiges Publikum zu erreichen, ist uns ein wichtiges Anliegen. Dies spiegelt sich in unserem interdisziplinär angelegten Programm wider und auch dadurch, dass der bespielte Ort jederzeit besichtigt werden kann. Manchmal beobachte ich vor dem Satellit stehende Menschen, die gestikulieren und diskutieren – das freut mich natürlich. Es gibt auch Personen, die ihre Kommentare zu den Ausstellungen mittels Zettel ans Schaufenster kleben. Satellit regt den Dialog zwischen Kunst und Öffentlichkeit an. Das ist schön und auch spürbar und ermöglicht es einem breiten Publikum, mit Kunst und Kultur in Berührung zu kommen.

Das Programm berücksichtigt Kunstschaffende aus der Region wie auch der ganzen Schweiz und unterstützt die Vernetzung der Kunstschaffenden untereinander. Einmal im Jahr spannt Satellit mit dem Architekturforum zusammen: Architektinnen und Architekten gestalten im Satellit eine Ausstellung, im Architekturforum halten sie einen Vortrag. Mit den häufig wechselnden, relativ kurzen Ausstellungen ist Satellit ein wichtiger Bestandteil des Thuner Kulturlebens geworden. Neben den Ausstellungen liegt es mir am Herzen, immer mal wieder Performances zu zeigen – eine Kunstform, die viel zu oft in Vergessenheit gerät. Es ist mir wichtig, dass solche auch in Thun gezeigt werden, damit jene unbekannte, flüchtige und oft vernachlässigte Kunstform auch hier bekannter wird und präsent ist. Der Kunstraum Satellit eignet sich dafür ausgezeichnet. Performances finden live statt, die Betrachtenden werden unmittelbar mit dem Geschehen konfrontiert. Dies regt die Auseinandersetzung in besonderem Masse an, die Distanz zwischen den Zuschauenden und dem Werk ist sehr gering. Diese starke und unmittelbare Wirkung beeindruckt mich immer wieder.

Ich lade Sie herzlich ein, Satellit zu besuchen und sich selbst ein Bild zu machen.

Ausstellungsansicht, Reto Steiner und Philipp Schaerer. Foto: Carolina Piasecki